Wenn ich einmal erwachsen bin, habe ich dich oft von klein auf versorgt- So kann mein Alltag dann aussehen:  Es kann sein, ich bin dann völlig ausgebrannt. Kaum einer sieht, was ich im verborgenen geleistet habe und so halte ich den Druck nicht mehr aus. Ich fühle mich leer, aber keiner kann mir sagen, was das ist. Oft gelte ich als faul- Bitte schau genau hin. Ich passe in keine Schublade, in die ihr mich stecken möchtet!  Ich fühle mich ausgebrannt und leer und möchte so gerne ein normales Leben!


Schritt 1: Sensibilisieren

 

Öffentlichkeitsarbeit, um lebenslange Folgen für die Betroffenen zu bekämpfen!

Kinder und Jugendliche, die pflegen, sollen sich zukünftig besser als solche erkennen. Dazu gehört endlich die Klärung eines einheitlichen Begriffes. In England ist man hier schon weiter und hat damit bessere Möglichkeiten Kinder und Jugendliche zu erreichen. Ein langfristiges Ziel sollte auch in Deutschland die schnelle Identifikation von "Young Carers" sein. 

 

Zur weiteren Sensibilisierung ist eine Zusammenarbeit mit anderen öffentlichen Einrichtungen notwendig. Hierbei sollte man auch an solche denken, die sekundär infrage kommen, wie bspw. Kinder-und Jugendpsychiatrie.

 

 

 

 

Schritt 2: Erkennen

- Kinder und Jugendliche, die ihre kranken Angehörigen pflegen-

 

Was und Wo sind Sie?-

Von welchen Personengruppen sprechen wir und 

in welchen Institutionen (z. B. Schule, Jugendtreffs etc.) sind sie zu finden?

 

Was leisten Sie?- Erkennen und bennen- Welche Aufgaben übernehmen sie für die Eltern/ und/ oder andere Angehörige- Wie (z.B. im welchen Umfang) beeinflusst dies ihren üblichen Alltag? 

 

 

Schritt 3: Handeln

 

Hilfestellung bieten, wenn erwünscht und zugelassen- Dabei die Art und den Umfang der Hilfe bedenken und individuell bzw. bei Bedarf verändern.

Wichtige Regel hierfür: Das "Einfachste" ist oft das Beste- Gemeint ist hiermit, das oftmals kleine, "alltagsübliche" Tätigkeiten ausreichen, die trotzdem Abwechslung zum Pflegealltag (bspw. ein Schwimmbadbesuch) für die Kinder und Jugendlichen bieten.

 

 

Konzept zu Bekämpfung lebenslanger Folgen entworfen von Julika Stich, 2017 

 

 

 

 

 

Um besser zu verstehen heute nochmal  etwas persönliches, was sich aber beiläufig miteinander vermischt. In der Planung der Arbeit, vermischt mit privaten, merke ich immer wieder, wie sich bei mir das augenblicklich Gefühl einschleicht (das blöde Biest ;-)) und ich fühle mich verloren. Nun weiß ich, dass es nur ein Gefühl ist. Nichts, wofür ich mich schämen muss. Das es keine Wirklichkeit ist. In der Bearbeitung habe ich gelernt, dass es Gefühle aus der Vergangenheit sind. 

Was hat das alles hiermit zu tun? Genau das: Als junge Pflegende/ ehemals junge Pflegende übernimmst du meist als Kind früh enorme Verantwortung- 

Definitiv in diesem Ausmaß zu früh für ein Kind! In den frühen Lebensjahren sollen Kinder idealerweise Bindung zu Bezugspersonen aufbauen. In der Bindungstheorie wird Bindung als die Tendenz eines Kleinkindes beschrieben, Nähe zu bestimmten Personen zu suchen und sich dann sicherer zu fühlen.  

Das einfühlsame Reagieren der Bezugsperson auf die Bedürfnisse des Kindes führt zu sicheren Bindung. Meist sind bei Kindern Jugendlichen, die sich um ihre Eltern kümmern, die Rollen vertauscht, das bedeutet, die Kinder übernehmen Verantwortung in einer Phase, in der die eigentliche Hauptverantwortung die Eltern tragen sollten. Dies kann zu späteren Folgen führen. 

 

Das muss nicht sein und hier setzt unsere Arbeit an- Wir können, dürfen und wollen niemals die Eltern oder andere Bezugspersonen ersetzen!- Wir können aber einen Menge tun:

 

-Hinschauen und Aufklären (Sensibilisieren)

 

-Dasein und Zuhören

(Erkennen)

 

- Helfen und Trösten

(Handeln)

 

Dabei immer die Regel: Soweit es der Betroffene zulässt und wünscht! 

 

Wir können auch ganz viel für ehemals junge Pflegende tun. Indem wir dazu ermutigen und helfen, sich untereinander zu vernetzen und austauschen, kann viel Selbsthilfe betrieben werden.

 

Nun genug der Theorie. Ich bin zuversichtlich, dass in Zukunft ganz viel für junge pflegende und ehemals junge Pflegende getan werden kann!

 

Mit lieben Grüßen, 

 

Julika Stich